Interview: Olaf Thon zur EM-Auslosung!

Interview mit Olaf ThonDie Gruppen der EURO 2020 stehen großteils fest! bet-at-home.com Experte Olaf Thon analysiert im ausführlichen Interview die Auslosung und insbesondere die deutsche Hammer-Gruppe. Zudem spricht die Schalke-Legende über die Chancen der kleineren Nationen, seinen Top-Favoriten sowie die Nations League Play-offs.

Herr Thon, die Gruppen für die Europameisterschaft 2020 stehen fest. Was sagen Sie zur Auslosung der deutschen Nationalmannschaft?

Schwerer hätte es für die Mannschaft von Jogi Löw nicht kommen können. Eine echte Hammer-Gruppe! Mit dem amtierenden Weltmeister Frankreich und Titelverteidiger Portugal in einer Gruppe zu spielen, ist wahrlich nicht der Wunsch gewesen. Darüber hinaus ist es auch noch möglich, dass Island über die Play-offs Ende März die Gruppe F komplettiert.

Die Austragung aller drei Gruppenspiele in München kann aber ein Vorteil für Deutschland sein. Allerdings ist die Mannschaft gezwungen von der ersten Sekunde an fokussiert und hellwach zu sein. Grundsätzlich gilt es die Situation anzunehmen und sich bestmöglich auf das Turnier vorzubereiten. Denn auch wir können für Frankreich und Portugal ein unangenehmer Gegner sein.

Welcher Pool ist Ihrer Ansicht nach der spannendste und welcher der eindeutigste?

In meinen Augen ist die Gruppe F mit Deutschland, Frankreich und Portugal die spannendste. Hier gibt es wohl auch keine zwei Meinungen. Alle anderen Top-Nationen verteilen sich auf die Gruppen A bis D. Italien, Belgien, die Niederlande, England und Spanien werden ohne größere Probleme die Gruppenphase überstehen. Wenn ich mich für die eindeutigste Gruppe entscheiden muss, dann Pool B mit Belgien.

Belgien kann aus dem Schatten des ewigen Geheimfavoriten heraustreten und ein Wörtchen um den Titel mitreden.

Was ist Ihr Urteil zum gesamten Auslosungsprozess? Was halten Sie etwa davon, dass die Gruppe B bereits vorab bis auf eine Nation feststand?

Der Auslosungsprozess für die Europameisterschaft im nächsten Jahr war und ist nach wie vor sehr speziell. Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Aufzuzählen sind die zwei unterschiedlichen Wege, die zur EM führen. Einmal die reguläre EM-Qualifikation und zum anderen die Play-offs Ende März 2020. Ein weiterer Grund ist die Austragung der EM in zwölf Ländern, weshalb bereits viele Gruppenköpfe feststanden. Auch politische Gegebenheiten spielen eine Rolle bei der Zuordnung der Teams in die einzelnen Gruppen.

In meinen Augen gehen in diesem Konstrukt der Charme und die Vorfreude auf die Auslosung verloren. Sehr schade, da ich mich in der Regel sehr auf Auslosungen und spannende Paarungen freue. Die Gruppe B ist das beste Beispiel hierfür. Mit Belgien, Russland und Dänemark war die Gruppe vorab zu 75 Prozent besetzt. Zudem standen nur zwei Teams – Wales oder Finnland – als vierte Mannschaft dieser Gruppe zur Wahl.

Bei unserem letzten Gespräch nannten Sie Belgien als Ihren Top-Favorit. Hat sich daran nach der Auslosung etwas geändert?

An dieser Stelle teile ich die Meinung von Jogi Löw. Den Umbruch, den die deutsche Mannschaft aktuell durchmacht, haben andere Teams schon hinter sich. England, Holland, Frankreich, Italien, Spanien und auch Belgien sind einen Schritt weiter. Gerade die Belgier und auch Italien haben alle Spiele in der EM-Qualifikation gewonnen. Diese zwei Nationen sehe ich weit vorne bei der Europameisterschaft. Belgien kann aus dem Schatten des ewigen Geheimfavoriten heraustreten und ein Wörtchen um den Titel mitreden.

Welchen der vermeintlich „kleinen“ Nationen trauen Sie am ehesten eine Überraschung zu? Wie schätzen Sie die Chancen des österreichischen Teams ein?

In der EM-Qualifikation haben mich vor allem Ukraine, Türkei und Russland überrascht. Von diesen genannten Mannschaften traue ich der Türkei am ehesten eine Überraschung zu. Aber für die „kleinen“ Nationen ist das Abschneiden bei der EM grundsätzlich von den ausgelosten Gegnern in der Gruppenphase abhängig.

Die Qualifikation der Österreicher begann sehr schleppend. Die Niederlagen gegen Polen und besonders das 2:4 in Israel haben für Alarmstimmung gesorgt. Wichtige Siege gegen Nordmazedonien, Slowenien und Lettland bedeuteten am Ende doch die Qualifikation. Souveränität sieht aber anders aus. Bei der EM warten mit den Niederlanden und der Überraschungsmannschaft Ukraine starke Gegner auf Österreich. Das Überstehen der Gruppenphase wäre bereits ein großer Erfolg für die Foda-Truppe.

Ende März 2020 kämpfen 16 Mannschaften bei den Nations League Play-offs um die letzten vier EM-Tickets. Wer sind Ihre Favoriten?Interview Olaf Thon

Seit Kurzem stehen die Paarungen der Play-offs fest, bei denen die letzten vier EM-Tickets ausgespielt werden. In Gruppe A schätze ich Island und Ungarn am stärksten ein. Irland und Nordirland werden in Pool B das Ticket unter sich ausmachen. Das Finale im Weg C wird Norwegen gegen Schottland sein. Und in Gruppe D wird es ein Endspiel zwischen Georgien und Nordmazedonien geben.

Ich lege mich auf folgende Favoriten fest: Island, Irland, Norwegen und Georgien. Ob es wirklich so kommt, erfahren wir allerdings erst Ende März 2020.

Blicken wir in die Zukunft: Wird sich das paneuropäische Modell für die Endrunde durchsetzen oder bleibt es ein einmaliger Versuch? Wäre ein ähnlicher Austragungsmodus bei einer WM denkbar?

Ich bin der Meinung, dass dieses Modell ein einmaliger Versuch sein sollte. Es ist mit Sicherheit ein sehr spannendes Projekt und eine Chance für kleinere Nationen wie Aserbaidschan, Rumänien oder Ungarn Teil einer EM zu sein. Das Prozedere hinter der Qualifikation, der Gruppenzugehörigkeiten bezüglich der Austragungsorte und politische Restriktionen sind in meinen Augen Gegenargumente für ein solches Modell. Darüber hinaus wir es nach der Gruppenphase auch vermehrt zu großen Reisestrapazen für die Teams kommen. Ein ähnliches Modell bei einer WM sehe ich nicht.

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One comment on “Interview: Olaf Thon zur EM-Auslosung!
  1. Felix sagt:

    Was für eine tolle Lektüre!

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