BRA vs. URU: Zwei Länder, eine Geschichte

Und plötzlich geht es doch um was. In den beiden Halbfinals des Confederations Cup steckt jede Menge Zündstoff drin: Heute Abend schon kommt’s zum Aufeinandertreffen der alten Rivalen aus Brasilien und Uruguay, am Donnerstag steigt die Neuauflage des letztjährigen EM-Endspiels zwischen Weltmeister Spanien und Italien. Wir nutzen die Gelegenheit und blicken zurück auf eine Geschichte, die jeder Fan des südamerikanischen Fußballs kennt. Eine Geschichte aus dem vorigen Jahrhundert, die ein Land mit knapp 200 Millionen Einwohnern noch heute in kollektive Trauer versetzt.

Seleção gegen La Celeste: Mehr als nur ein Spiel
Immer wenn der Rekordweltmeister auf den Rekordsieger der Copa América trifft, wird auf den Stammtischen Südamerikas über diese eine denkwürdige Partie gesprochen. Über das entscheidende Spiel der WM 1950 in Brasilien zwischen den aufstrebenden Gastgebern und den Himmelblauen aus Uruguay. Es fand statt an einem Sonntag. Man schrieb den 16. Juli, Schauplatz war das ultimative Stadion der damaligen Zeit – das legendäre Maracanã in Rio de Janeiro. Die genauen Zahlen sind unbekannt, man schätzt aber, dass knapp 210.000 Zuschauer dabei gewesen sind. Danach lockte nie wieder ein einziges Spiel eine derart große Kulisse an. Ein Rekord für die Ewigkeit.

Die damalige Ausgangslage
Zum ersten und bislang einzigen Mal wurde der Weltmeister nicht in einer K.o.-Phase mit großem und kleinem Finale ermittelt, sondern in einer Finalrunde. In dieser machten die vier Gruppensieger den Titel unter sich aus. Und nach zwei Spieltagen und klaren Siegen über Schweden (7:1) und Spanien (6:1), deutete alles auf einen brasilianischen WM-Triumph: Nur noch ein Punkt im letzten Match gegen das kleine Uruguay, das nur mit viel Glück überhaupt noch im Rennen war (2:2 gegen Spanien, Last-Minute-3:2 gegen Schweden), trennte die Seleção vom Meisterstück. Es war also alles angerichtet, der Premierentitel schien sicher zu sein. Doch wie so oft kam es ganz anders.

Der Schock von Maracanã
Die Stars um Torschützenkönig Ademir zerbrachen am Ende am unmenschlichen Druck, der auf ihnen lastete. Aus heutiger Sicht kein Wunder: Schon vor dem Spiel wurde in den Zeitungen der sichere Weltmeistertitel gefeiert. Hochrangige Politiker hielten ausschweifende Reden und überreichten dazu jedem Akteur eine Uhr mit der Inschrift „Den Weltmeistern“. Aufgrund des großen Andrangs mussten die „Großväter“ von Ronaldo, Ronaldinho und Co. sogar kurz vor Anpfiff noch ihr Quartier wechseln. Eine vernünftige Vorbereitung auf den unerwartet defensiv eingestellten Gegner aus Uruguay, den zweimaligen Olympiasieger und Weltmeister von 1930, war so unmöglich geworden.

Uruguay stürzt ein Land in Trauer
Doch zunächst lief alles nach Plan: In der 47. Spielminute erzielte Friaça vom FC São Paulo das erlösende 1:0. Ein ganzes Land bebte. Was sollte jetzt noch passieren? Uruguay steckte aber nicht auf, wurde von Kapitän Varela angetrieben und in der 66. Minute mit dem Ausgleich belohnt. Danach waren die ganz in Weiß spielenden Samba-Kicker verunsichert. Der Underdog übernahm die Kontrolle und traf in der 79. erneut. 2:1 durch Alcides Ghiggia. Im gigantischen Stadion war es jetzt Totenstill geworden. Brasilien hatte aber ohnehin nicht mehr die Kraft, um zurückzuschlagen. Zum Verhängnis wurde auch das von Coach Costa auferlegte Foul-Verbot („Wir wollen der Welt zeigen, dass wir keine rohen Treter sind“).

Die Folgen: Neue Trikots …
Eine offizielle Pokalübergabe fand nicht mehr statt. Der Grund: FIFA-Präsident Jules Rimet hatte seine Rede in weiser Voraussicht in Portugiesisch verfasst. Nie aufgeführt wurde auch der eigens für Brasilien komponierte Siegessong. Die schon vor dem Spiel gravierten Medaillen waren ebenso wertlos geworden. Der Verband entsorgte zudem die weißen Trikots und ließ die Nationalelf fortan in Gelb-Blau spielen. Acht Jahre später klappte es dann bekanntlich mit dem ersten WM-Titel.

… und ein Selbstmord
Noch Stunden nach dem Schlusspfiff saßen zehntausende trauernde Fans auf den Stufen des Maracanã. Besonders tragisch: Als die Reinigungskräfte die Arena, die knapp 60 Jahre später für die WM 2014 aufgeputzt werden sollte, betraten, fanden sie vier Leichen. Drei Fans erlitten einen Herzinfarkt, ein anderer hatte Selbstmord verübt und sich von einer Tribüne gestürzt. Auf den Straßen von Rio regnete es unterdessen Asche. Die Asche der verbrannten Zeitungen.

Der heute 86-jährige Siegtorschütze Alcides Ghiggia ist der letzte Überlebende der damaligen Weltmeistermannschaft. Von ihm stammt folgendes, berühmtes Zitat.

Nur drei Menschen haben mit einer einzigen Bewegung das Maracanã zum Schweigen gebracht: Sinatra, der Papst und ich.

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One comment on “BRA vs. URU: Zwei Länder, eine Geschichte
  1. […] Tipp: Die märchenhafte Story von 1950 bleibt einmalig. Spätestens im Viertelfinale ist diesmal Schluss für die […]

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